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 Rüdiger - Gitarre und Gesang

           Zwischen „Goldkäferchen-Gavotte“ und           „Johnny B. Goode“

Meine musikalische ‚Geburt’ begann so mit 10 Jahren: ich träumte mit Caterina Valente (und ganz Paris) von der Liebe und fuhr mit ihr und ihrem Bruder Silvio Francesco im Traumboot der Liebe, oder mit Freddy auf einem weißen Schiff nach Hongkong, wo ich dann natürlich Heimweh bekam, probierte verbotene Substanzen (Tabak und Rum) im alten Haus von Rocky Docky mit Bruce Low, ließ mich von Gerhard Wendland nach Peru, in die Anden (Jambalaya!) verfrachten, lauschte mit Cindy am Kai den weißen Möwen, und grüßte die Damen in der Bar von Johnny Miller von Vico Torriani, wurde von den Original Kilima Hawaiians durch einen simplen Pferdehalfter an der Wand zu Tränen gerührt, und selbst Peter Alexander, der alte Haudegen, wusste, was mir fehlt. Schon damals konnte ich oft die Texte auswendig und verblüffte mit meinen Sangeskünsten Freunde und Verwandte. Gern denke ich daran zurück, wie ich mit meinem Bruder Achim zweistimmig (!) den „Oklahoma Tom“ von den Sieben Raben schmetterte.

Der erste englischsprachige Song, den ich voller Begeisterung intonierte, war Harry Belafontes „Banana Boat Song“ (‚Komm, Mister Tallimann, talli mi Banana’- klingt ja auch eher wie deutsch). Ich war dann erstmal großer Harry-Fan, aber schon bald folgten andere, denn ich hörte jetzt so oft es ging BFN („British Forces Network“, später BFBS), den ‚englischen Soldatensender’ (der AFN kam auf unserem Radio nur sehr schwach). Dort besonders die Top 20, die ich ab 1958 immer mitschrieb. Meine besonderen ‚favourites’ waren Buddy Holly und Lonnie Donegan, neben den ‚üblichen Verdächtigen’ Elvis, Fats, Jerry Lee, Little Richard, Everly Brothers und Pat Boone (der Schnulzenheini?) u.a.. Der deutsche Schlager war inzwischen ‚out’, und ich empfand es als Majestätsbeleidigung, wenn Peter Kraus als ‚der deutsche Elvis’ bezeichnet wurde.

1959, zur Konfirmation, bekam ich meinen ersten Plattenspieler (es war überhaupt der erste im Haus!), und ich erinnere mich noch an meine ersten Singles: „Problems“ von den Everly Brothers, „My Happiness“ von Connie Francis, „Hoots Mon“ von Lord Rockingham’s XI, „I’m ready/Margie“ von Fats Domino, „Petite Fleur“ von Chris Barber und „La Paloma“ von Billy Vaughn (geschenkt bekommen, hätte ich mir selbst nicht gekauft, fand ich aber ganz gut; ich war und bin immer für alles offen). Das war nur der bescheidene Anfang einer sehr stattlichen Plattensammlung, natürlich vor allem LPs.

Meine erste Gitarre, eine ‚no name’ Wandergitarre, bekam ich zu meinem 16. Geburtstag und konnte schon bald das Hauptthema von Duane Eddys „Movin’ ’n’ Groovin’ (E, A, E, H, A E auf der tiefen E-Saite!) spielen und „John Henry“ von Lonnie Donegan begleiten. Doll! Ich hatte dann sogar kurze Zeit richtigen Unterricht mit Noten und so bei einem Klavierlehrer, Wolter mit Namen, der meine Eltern überreden wollte, ein Klavier anzuschaffen, da ich so musikalisch sei; konnten sie sich aber nicht leisten (Ich komme, wie man so schön sagt, ‚aus bescheidenen Verhältnissen’). Aber fast gleichzeitig tauchte bei uns ein älterer Herr namens Karl Grimm auf, der bei Fröhlich von meinem Gitarrenkauf erfahren hatte (damals gab’s noch keinen Datenschutz!) und uns anbot, kostenlos Unterricht zu erteilen. Er requirierte mich und auch gleich meinen Bruder, dem er eine alte Gitarre in die Hand drückte, für das von ihm geleitete Mandolinenorchester der Helmstedter Naturfreunde, wo wir einmal in der Woche in der Baracke hinter der Ernst-August-Schule die Begleitung zur „Goldkäferchen-Gavotte“ oder zur „Edelweiß-Mazurka“ und ähnlicher Perlen zupften.

... ABER DAS WOLLTE ICH DOCH GAR NICHT!!!

Ich wollte die Hits aus den Top Twenty von Elvis, Ricky Nelson, Bobby Darin, Eddie Cochran, Chuck Berry, Country Songs von Don Gibson und Johnny Cash oder Folk Songs vom Kingston Trio singen! Das tat ich dann auch auf Feten und Klassenfahrten, wo ich meine Qualitäten als Unterhalter von riesigen Menschenmassen, z. B. auf dem Marktplatz von Rothenburg ob der Tauber, erproben konnte. Irgenwann traf ich bei einer Fete bei meinem Freund Uli Möhle Trutz Groth, der mein durch Karl Grimm geschultes sonderbares Zupfen halb amüsiert, halb anerkennend, zur Kenntnis nahm und mir ein paar Tricks und Licks eines echten Rock ’n’ Roll Sängers näherbrachte. Sein „Rockin’ Robin“ wurde auch eine meiner besten Nummern als Feten-Kasper. Apropos ‚Tricks und Licks’: Billy Hawkins, ein GI, der von den Blizzards, bei denen unser Stuff am Klavier saß, begleitet wurde, ist wohl derjenige, bei dem sowohl Trutz als auch ich die typische A-Dur „Whole Lotta Shakin’ Goin’ On“ Begleitung (A-Saite und E und Fis auf der D-Saite) abguckten (simpel, aber effektvoll).

Trutz ersetzte später Billy Hawkins bei den Blizzards, die mich bei einem Auftritt im Beireishaus vom Hocker rissen (man bekam ja in Hemstedt nicht so viel Live-Rock’n Roll geboten!).

Ich erinnere mich, dass ich mir an meine 2. Gitarre (eine Framus Westerngitarre mit Cutaway) einen Tonabnehmer anbaute und unter Anleitung von Trutz über unser altes Röhrenradio spielte: was für ein Sound! Meine erste richtige Elektrogitarre (weißer Stratocaster Nachbau für Arme) hatte ich im Sommer/Herbst 1962 auf dem Schulfest im Brunnen in der Hand, wo ich eine kurze Einlage brachte bei einer Schülerband, die da spielte. Es gibt davon ein Foto, ich weiß aber nicht, ob das die „Beat-nicks“ waren, die es da ja schon gab. Bernd und Otto König sind jedenfalls, neben einem anderen Typen in Spielmannszuguniform (tolles Wort) mit Gitarre, den ich nicht kenne, dabei.

Auch den dritten Ur-Beat-nick, Hermann Koeppe, kannte ich als ehemaligen Klassenkameraden. Irgendwann im April haute mich jedenfalls einer von den „Beat-nicks“ an: ob ich nicht Samstagabend im ‚Gateway Club’ (oder auch ‚billets’, wie die Amis ihre Unterkünfte nannten) mitspielen wollte, wo sie mit Manfred Schäfer (Schlagzeug, Vibraphon, Sax), einem versierten, schon ein paar Jährchen älteren Tanzmusiker, ein regelmäßiges Engagement hatten. Als BFN-Hörer – neben den Top 20 war der ‚Saturday Club’ mit Live-Musik (!) am Samstagmittag eine meiner Lieblingssendungen – hatte ich eher als der ‚normale’ deutsche Musikfan den neuen Sound aus Liverpool auf der Platte und war ein Beatles- Fan der ersten Stunde. Folglich hatte ich mit „From Me To You“ einen fulminanten Einstieg! Otto schied kurz danach aus und die weiteren personellen Veränderungen kann man an anderer Stelle, z. B. in meinem Song „Die Beat-nicks, die sind wieder da“, nachlesen.

Am Anfang spielte ich eine der o.g. weißen Strat-Imitate, bis ich mir selber eine rote ‚Framus’ Halbakustikgitarre zulegte, die eindeutig besser aussah, als sie sich spielte (ich sage nur: Saitenlage!). Irgendwann Mitte der 60er gönnte ich mir eine ‚Guild’ Halbakustik, die ich bei einer unserer ekstatischen Bühnenshows im ‚Hawaii’ schwer beschädigte (aber nicht mit Absicht, wie ‚The Who’) als ich auf den Hals sprang; Bernd hat sie wieder repariert, sogar bundrein! Unser Programm richtete sich meistens nach meinem Geschmack, so dass neben die alten Rock ’n’ Roll-, Country- und Beat-Nummern, Rhythm & Blues (Rolling Stones), Animals, Spencer Davis Group, Them, und Soul (James Brown, Otis Redding, Wilson Pickett und vor allem mein ‚all-time favourite’ (Ray Charles) traten. Aber auch der eine oder andere deutsche Schlager, leicht selbstironisch interpretiert, oder Show-Nummern wie (unter der Orgel liegt Stuff und spielt) „Zirkus Renz“ gehörten zur ‚playlist’, wie man heute sagt.

Wir spielten jedes Wochenende, d.h. ich musste immer von Göttingen, wo ich studierte, nach Helmstedt kommen. Die Liebe zog mich natürlich auch hierher, zu meiner Carola, genannt ‚Dixie’. Mein R4 bekam so ganz schnell viele Kilometer auf den Tacho!

In Göttingen bekam ich Kontakt zu amerikanischen Folk-Musikern, aber es kam nur zu sporadischen privaten ‚Sessions’, bei denen auf die Beherrschung bestimmter fingerpickin’-Techniken großer Wert gelegt wurde; ich war ein als sich mehr über den Gesang definierender Musiker und Entertainer eine Ausnahmeerscheinung. Bleibende Erinnerung an diese Zeit ist meine Martin D28 Westerngitarre, die ich zu Hause immer noch sehr gern spiele.

Anfang der 70er Jahre änderte sich einiges: Hochzeit (Carola war 1969 nach GÖ gezogen) und 1. Staatsexamen (1971), Referendariat an einem Mädchengymnasium (!) in GÖ und 2. Staatsexamen (1973); im gleichen Jahr Geburt von Linus und Umzug nach Wulfsen bei Winsen/Luhe, wo ich am Gymnasium für die kommenden 35 Jahre als Lehrer (wen’s interessiert: Englisch und Geschichte) tätig war. All das war nicht mehr mit den „Beat-nicks“-Verpflichtungen vereinbar, so dass die Band sanft entschlummerte, und ich meine Gitarre verkaufte (1971/72) (die große Zeit der Beatbands war ohnehin vorbei).

1975 Geburt von Luzie und Umzug ins Eigenheim nach Radbruch, Landkreis Lüneburg.

  ZWISCHENFAZIT: GANZ SCHÖN SPIESSIG FÜR EINEN ROCK'N ROLLER!

Und die Musik? Jetzt, in der Nähe von Hamburg, konnte ich endlich jederzeit tolle Konzerte besuchen. Und auch aktiv machte ich bald wieder Musik. In der Schule gründete und leitete ich die ‚Folk-AG’, die so manche Schulfete bereicherte. Dort entstand auch eine aus Kollegen bestehende Band „Dreck, Schrott und Asche“, die mit zwei legendären Auftritten vor der gesamten Schülerschaft die Schule in ihren Grundfesten erschüttert hat. Zugegeben, der Show- und Überraschungs-effekt war deutlich größer als die musikalische Qualität. Wir vier treffen uns aber immer noch mehr oder weniger regelmäßig zum ‚Mucken aus Spaß’.

Eine sehr interessante Begegnung musikalischer Art fand im Herbst 1979 statt (das genaue Datum weiß ich leider nicht mehr). Ich saß gemütlich zu Hause, als mich mein Fachkollege Wolfram, mit dem ich sonst nicht gerade in regem Telefonkontakt stand, anrief, ich solle doch mal schnell zu ihm nach Wulfsen kommen, er hätte eine Überraschung. Ich fuhr mit Carola hin und er hatte Besuch: ERIC BURDON!!! (für die nicht Eingeweihten: u. a. Leadsänger der Animals) Er war mit seiner Freundin Yvonne da, einer ehemaligen Schülerin unserer Schule und Klassen-kameradin von Hilke, Wolframs Ehefrau. Wir plauderten, erst etwas gehemmt, wobei Eric sich als sehr witziger Erzähler entpuppte. Dann kam das Unvermeidliche: Wolfram meinte, wir sollten doch mal was zusammen singen. Es war sogar eine alte, verstimmte Wandergitarre im Haus, die niemand wirklich spielte. Also brachten ERIC & ICH ein paar nette R&B Standards zu Gehör: „Lawdy Miss Clawdy“, „Bring it on home to me“, „Baby what you want me to do“, “One night”, an mehr erinnere ich mich nicht; jedenfalls NICHT “House of the Rising Sun”. Als Eric und Yvonne gingen, wollte ich natürlich gern ein Autogramm haben. Autogrammkarten hatte er nicht dabei, Wolfram hatte keine Platte von Eric oder den Animals. Ich hätte zu Hause eine gehabt, aber ich wusste ja nicht, was mich erwartete, sonst hätte ich ja auch für alle Fälle meine Gitarre mitgenommen. Hilke hatte die tolle Idee: nimm doch die Gitarre, die steht hier sowieso nur rum. So schrieb Eric mir mit Eddingstift eine schöne Widmung auf die Gitarre (s. Bild).

So um 1980 entstand in Radbruch eine Band, die (was Wunder?) in Stil und Programm den „Beat-nicks“ recht ähnlich war, denn wer war wohl der ‚charismatische Frontmann’? – Richtig! Wir nannten uns „Broken Wheel“. (Warum wohl? – Na? – Richtig!). Und nun ging das wöchentliche Mucken wieder los! Und eine neue Gitarre musste ja auch wieder her. Ich entschied mich für eine ‚Washburn’ Halbakustik, die ich immer noch spiele (wie regelmäßige Besucher unserer Auftritte wissen). Zu dieser Band stieß Anfang der 90er Jahre mein Sohn Linus am Klavier. Gegen Ende des Jahrtausends löste sich die Band auf, und bald auch die Nachfolgecombo „Music Box“, bestehend aus mir am Keyboard (!) und Linus. Inzwischen gab es am 01. Oktober 2011 im Winsener Marstall ein umjubeltes Comeback der „Kultband Broken Wheel“ (so der „Winsener Anzeiger“).

Und die „Beat-nicks“? Die meisten Leser dieser Zeilen wissen, dass seit Weihnachten 1973 (erstes informelles Treffen in der ‚Sportklause’ bei Albert Pelull) jedes Jahr am 2. Weihnachtstag (…da sind wir alle high!) die jährlichen Konzerte stattfanden; nach Pelull in der ‚Weinberg-Schänke’ (wo die „Beat-nicks“ 1971 schon mal gespielt hatten, nämlich anlässlich unseres – na? – richtig: Polterabends!) und seit 1980 im Schützenhaus, wo diese glorreiche Geschichte 2009 ihren krönenden Abschluss fand. Über weitere Aktivitäten der „Beat-nicks“ in all den Jahren (und das waren nicht wenige!) kann man sich an anderer Stelle informieren. 

Jetzt lassen wir es mit unserer Vereinssitzung am Pfingstsamstag bei Jahnke etwas ruhiger angehen, wie es Ruheständlern zukommt.

Apropos Ruhestand: von Ruhe kann nicht die Rede sein: neben der Musik ruft der Tennissport und die Gartenarbeit, werden Kinder und Kindeskinder (2 Jungs) in Bremen und Oldenburg besucht, und der Zweitwohnsitz in Potsdam lockt uns immer wieder dorthin.

Also das Motto im weitesten Sinne:

Keep On Rockin'